Auf einen Blick

Große Marken dominieren die KI-Suche, aber nicht überall. Laut einer BrightEdge-Studie, über die Search Engine Journal (SEJ) berichtet, führen American Airlines, Royal Caribbean und Expedia ihre Kategorien sowohl in Google AI Overviews als auch in ChatGPT an. Bei subjektiven Inspirationsfragen sind YouTube, Reddit und AAA präsenter, und die Big Brands dominieren dort weniger. Autor Roger Montti liest daraus eine Chance für kleinere Publisher mit persönlicher Erfahrung und eigener Einschätzung. Preisgetriebene Anfragen („günstig", „Deal", „last-minute") bleiben dagegen fest in der Hand von Buchungsplattformen. Die Datenbasis ist schmal: Der Artikel beruht auf einer einzigen Quelle, und die Schlussfolgerungen für kleinere Seiten sind Montti’s Interpretation, keine Aussage der Studie.

Was die Quellen sagen

Dieser Beitrag stützt sich auf 1 Quelle: den SEJ-Artikel „Big Brands Dominate AI Search But Leave Openings For Smaller Sites" von Roger Montti vom 31. Oktober 2026. Er bezieht sich auf den BrightEdge-Report „Holiday Travel in AI Search: The Travel Brands AI Puts on Its List". Das Quellenpaket enthielt weder Reddit-Threads noch HackerNews-Diskussionen noch YouTube-Videos oder Community-Meinungen. Für die Zahlen und Zitate habe ich deshalb den SEJ-Artikel direkt ausgewertet. Eine Konsens-Analyse über viele Stimmen ist damit nicht möglich. Die Zählung bleibt entsprechend knapp:

  • 1 von 1 Quellen stellt fest, dass große Marken bei Kategorie-Anfragen (Hotels, Airlines, Buchungsplattformen, Kreuzfahrten) dominieren.
  • 1 von 1 Quellen sieht bei subjektiven, inspirationsgetriebenen Anfragen weniger Dominanz der Big Brands.
  • 1 von 1 Quellen hält preisfokussierte Anfragen für die Domäne der Buchungsplattformen.
  • 0 von 1 Quellen liefern eine Erklärung von BrightEdge, warum Big Brands bei subjektiven Anfragen weniger auftauchen. Laut Artikel hat BrightEdge dazu nicht spekuliert.

Die Messmethode

BrightEdge misst laut SEJ „Share of Voice", also das Auftauchen in getrackten KI-Antworten, und nicht klassische Rankings. Das ist logisch, denn KI-Antworten haben keine Ranking-Positionen wie die zehn blauen Links. Erfasst werden Google AI Overviews und ChatGPT. Die Prompts werden in drei Absichten eingeteilt: Inspiration, Vergleich und Buchung. Stichprobengröße und Zeitraum nennt der Artikel nicht. Nur ein Anteil ist angegeben: Lediglich 9 % der getrackten Google-AI-Overviews-Prompts haben Buchungsabsicht. Zahlen aus der Studie sollten Sie deshalb als Momentaufnahme im Reiseumfeld lesen, nicht als allgemeingültige Regel für jede Branche.

Die Zahlen im Detail

Hotels:

  • Hilton führt in Google AI Overviews mit 28,3 %.
  • Marriott führt in ChatGPT mit 29,4 %.
  • Hotels sind damit die Ausnahme: Jede Engine hat einen anderen Spitzenreiter.

Buchungsplattformen:

  • Expedia kommt in Google AI Overviews auf 31,3 %, Kayak auf 14,4 %. Das ist ein Faktor von 2,2. In ChatGPT beträgt der Abstand das 1,4-Fache.
  • 38 % der Buchungs-Prompts in Google AI Overviews nennen eine Buchungsplattform, bei Inspirations-Prompts sind es 12 %.
  • In 78 % der budgetbezogenen AI-Overviews-Antworten erscheinen Buchungsplattformen, bei den übrigen Antworten in 17 %.
  • Expedia taucht in 44 % der budgetbezogenen Antworten auf.

Airlines:

  • American Airlines führt in Google AI Overviews mit 26,6 % und in ChatGPT mit 25,3 %.
  • Der Abstand zu United beträgt 6,1 Punkte in Google AI Overviews und 9,1 Punkte in ChatGPT.

Kreuzfahrten:

  • Royal Caribbean führt in beiden Engines: 24,8 % in Google AI Overviews, 28,8 % in ChatGPT.
  • Royal Caribbean und Carnival haben in der ChatGPT-Stichprobe höhere Sichtbarkeit, Viking niedrigere.

Konsens und Widersprüche

Ein echter Widerspruch zwischen mehreren Quellen lässt sich bei nur einer Quelle nicht aufdecken. Innerhalb des Artikels gibt es aber eine Spannung, die Sie kennen sollten:

  • Die Daten (BrightEdge) zeigen, dass YouTube, Reddit und AAA bei Inspirationsfragen prominenter sind und Big Brands dort weniger dominieren.
  • Die Deutung (Montti) macht daraus eine Chance für kleine Publisher. BrightEdge selbst hat laut Artikel nicht erklärt, warum große Marken bei solchen Anfragen nicht erscheinen.

Auch bei den Preiswörtern ist BrightEdge vorsichtig. Die Verbindung von Begriffen wie „cheap", „deal", „budget" und „last-minute" mit Buchungsplattformen sei, so BrightEdge, „an observed association, not evidence that using these words causes a brand to appear". Es handelt sich also um eine beobachtete Korrelation und nicht um einen belegten Ursache-Wirkung-Zusammenhang. Wer seine Texte mit Preiswörtern vollstopft, kann daraus keine Garantie ableiten.

Community-Meinungen

Zitierfähige Community-Stimmen mit Usernamen (etwa aus Reddit oder HackerNews) enthielt das Quellenpaket nicht, und ich erfinde keine. Als einzige Meinungsstimme gibt es den Autor Roger Montti. Er erklärt die Dominanz der Big Brands damit, dass Konsumenten bekannten, vertrauenswürdigen Marken den Vorzug geben und dass Nutzersignale die Suchrankings beeinflussen, die dann in KI-Chats einfließen. Zur Rolle von Reddit schreibt er sinngemäß, man könne Reddit mit Expertise „das Mittagessen wegessen", denn Expertise und Autorität seien nie Reddits Stärke gewesen. Nutzergenerierte Inhalte und Plattform-Rankings seien historisch anfällig für kluge und aggressive Content-Strategien. Das ist eine Einzelmeinung, die zudem plakativ formuliert ist. Eine zweite Stimme, die sie bestätigt oder widerlegt, fehlt in der Quellenlage.

Vergleich: Wer führt in welcher Kategorie?

Da das Quellenpaket keine Tool-Konkurrenten enthielt, vergleiche ich hier die Marken und Plattformen aus der BrightEdge-Auswertung. Alle Werte sind Anteile an der Sichtbarkeit (Share of Voice) in den getrackten Prompts.

KategorieGoogle AI OverviewsChatGPTBesonderheit
HotelsHilton, 28,3 %Marriott, 29,4 %Unterschiedliche Spitzenreiter je Engine
AirlinesAmerican Airlines, 26,6 %American Airlines, 25,3 %Vorsprung auf United: 6,1 bzw. 9,1 Punkte
KreuzfahrtenRoyal Caribbean, 24,8 %Royal Caribbean, 28,8 %Carnival in ChatGPT stärker, Viking schwächer
BuchungsplattformenExpedia, 31,3 % (Kayak 14,4 %)Expedia führt, Abstand zu Kayak das 1,4-FacheAbstand in Google 2,2-fach
InspirationsfragenYouTube, Reddit, AAA prominenternicht gesondert ausgewiesenWeniger Dominanz der Big Brands

Wichtig für die Einordnung: Bei den Kategorie-Rankings (Hotels, Airlines, Buchungsplattformen, Kreuzfahrten) wurden YouTube und Reddit ausgeklammert. Sie erscheinen vor allem bei den Inspirationsfragen als relevante Größen.

Drei Muster lassen sich daraus ablesen:

  1. Ein Anbieter führt in beiden Engines bei Airlines, Kreuzfahrten und Buchungsplattformen. Wer dort einmal als Referenz gilt, wird offenbar von beiden Systemen bevorzugt.
  2. Hotels sind fragmentierter. Hilton und Marriott teilen sich die Spitze je nach Engine. Hier schwanken die Ergebnisse, es ist also nicht gesagt, dass eine Engine automatisch die andere spiegelt.
  3. Die Intention verändert das Bild. Dieselben Plattformen, die bei Buchungsabsicht stark auftreten (38 % der Prompts), erscheinen bei Inspiration nur in 12 %.

Preise und Kosten

Das Quellenpaket enthielt keine Competitor-Daten und damit keine Tool-Preise. Der SEJ-Artikel nennt ebenfalls keine Preise für Tools oder Dienste. Zu Kosten für KI-Sichtbarkeits-Tracking (etwa BrightEdge selbst) gibt es keine Angaben, daher bitte die Preise direkt auf der Anbieter-Website prüfen: https://www.brightedge.com.

Die einzige kostenähnliche Aussage betrifft die Frage, wo es sich zu kämpfen lohnt. Preisbezogene Anfragen gehören laut Studie den Buchungsplattformen:

  • In 78 % der budgetbezogenen Google-AI-Overviews-Antworten erscheinen Buchungsplattformen.
  • In den übrigen Antworten sind es 17 %.
  • Expedia allein ist in 44 % der budgetbezogenen Antworten vertreten.

Für kleine Publisher heißt das: Der Versuch, bei „günstig", „Deal" oder „last-minute" gegen Expedia und Kayak anzutreten, verspricht laut diesen Zahlen wenig. Dazu kommt, dass nur 9 % der getrackten Google-AI-Overviews-Prompts überhaupt Buchungsabsicht haben. Der Großteil der Anfragen liegt also woanders, nämlich bei Inspiration und Vergleich, wo die Karten laut BrightEdge weniger eindeutig verteilt sind.

Was kleine Websites daraus mitnehmen können

Montti zieht aus den Daten mehrere Schlüsse. Sie sind seine Interpretation und nicht die von BrightEdge:

  • Persönliche Erfahrung und subjektives Urteil sind der Hebel. Bei Inspirationsfragen sind Plattformen mit menschlichen Perspektiven (YouTube, Reddit, AAA) präsenter. Travel-Blogs und kleine Seiten mit „unique human insights and subjectivity" könnten in diese Lücke stoßen.
  • Reddit ist angreifbar. Seine Begründung: Expertise sei nie Reddits Stärke gewesen, und UGC-Rankings seien für kluge Content-Strategien anfällig. Wer fachlich fundierter und besser belegt schreibt als Forenbeiträge, hat laut Montti Chancen.
  • Bekanntheit und Vertrauen aufbauen. Die Dominanz der Big Brands führt er auf Verbrauchervertrauen und Nutzersignale zurück. Langfristig bleibt Markenaufbau damit Teil der Strategie.
  • Preiswörter sind keine Abkürzung. BrightEdge betont ausdrücklich, dass die Assoziation von Preisbegriffen mit Buchungsplattformen keine Kausalität belegt.

Konkrete Umsetzungsschritte, Zeitrahmen oder Erfolgsquoten nennt die Quelle nicht. Alles Weitere wäre Spekulation.

Grenzen der Aussagekraft

Bevor Sie Ihre Strategie umbauen, sollten Sie diese Einschränkungen kennen:

  • Nur eine Branche. Die Studie betrachtet Reisen, speziell Urlaubsreisen. Ob dieselben Muster bei Finanzen, Software oder Gesundheit gelten, geht aus der Quelle nicht hervor.
  • Zwei Engines. Getrackt werden Google AI Overviews und ChatGPT. Andere KI-Suchen kommen nicht vor.
  • Unklare Stichprobe. Zur Zahl der Prompts und zum Erhebungszeitraum macht der Artikel keine Angaben.
  • Sichtbarkeit ist nicht Traffic. Share of Voice misst, wie oft eine Marke in Antworten auftaucht, nicht wie viele Klicks oder Buchungen daraus entstehen. Dazu enthält die Quelle keine Daten.
  • Keine Erklärung von BrightEdge. Warum Big Brands bei subjektiven Anfragen schwächer auftreten, bleibt offen.

Wie KI-Tools generell die Suche verändern und was das für Ihre Auffindbarkeit bedeutet, zeigt der Beitrag KI-Tools statt Google-Suche auf vikotool.com.

Fazit: Für wen lohnt es sich?

Lohnenswert ist die Lektüre und die Strategieüberlegung für:

  • Kleine Fachblogs und Nischen-Publisher, die eigene Erfahrungen, Tests oder Einschätzungen liefern können. Gerade bei Inspirations- und Vergleichsfragen sehen BrightEdge und Montti Spielraum.
  • Content-Marketer in Reise-nahen Branchen, die entscheiden müssen, ob sie Zeit in preisgetriebene Keywords oder in redaktionelle Tiefe stecken.
  • SEOs, die GEO/AI-Visibility beobachten und ein Beispiel brauchen, wie sich Sichtbarkeit nach Suchabsicht verteilt.

Weniger lohnend ist ein Frontalangriff für:

  • Anbieter, die über „günstig", „Deal" oder „last-minute" in KI-Antworten erscheinen wollen. Dort dominieren Buchungsplattformen, in 78 % der budgetbezogenen Antworten.
  • Alle, die aus einer einzelnen Studie Gewissheit ableiten wollen. Die Quelle ist eine Branche, zwei Engines und eine Autoren-Interpretation.

Der sinnvollste Schluss aus 1 von 1 Quellen: Die Big Brands sind in der KI-Suche stark, aber ihre Stärke hängt von der Suchabsicht ab. Wo Menschen nach Einschätzung, Erfahrung und Inspiration fragen, ist die Verteilung offener. Prüfen Sie für Ihre eigene Nische mit eigenen Prompts und Tracking, ob das Muster dort auch gilt. Und holen Sie weitere Quellen ein, bevor Sie Budget umschichten.

Quellen

  1. Search Engine Journal (Roger Montti): Big Brands Dominate AI Search But Leave Openings For Smaller Sites, 31.10.2026: https://www.searchenginejournal.com/big-brands-dominate-ai-search-but-leave-openings-for-smaller-sites/595397/
  2. BrightEdge: Holiday Travel in AI Search: The Travel Brands AI Puts on Its List (im SEJ-Artikel verlinkt, nicht separat ausgewertet): https://www.brightedge.com/resources/research-reports/holiday-travel-ai-search

Hinweis zur Quellenlage: Das Quellenpaket enthielt keine tool_urls, keine YouTube-Videos, keine Community-Meinungen und keine Competitor-Preise. Die Zahlen stammen aus dem SEJ-Artikel, den ich ergänzend direkt abgerufen habe, weil das Paket nur den RSS-Teaser enthielt.